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Brüderchen, komm tanz mit mir

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 5 Jahre

Rennen, klettern, hüpfen, klatschen: Kinder bewegen sich grundsätzlich gerne und viel. Die rhythmisch-musikalische Früherziehung dreht sich deshalb vor allem um die Koordination von Sprache, Musik und Bewegung. Aber in Liedern und Spielen geht es darüber hinaus auch ums Darstellen und Tanzen.

Erinnern Sie sich noch? „Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh, und sehet den fleißigen Waschfrauen zu. Sie waschen, sie waschen den ganzen Tag...“ oder „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann in unserm Haus herum“. Dem Waschen folgen das Auswringen, Aufhängen und Bügeln, während sich der Bi-Ba-Butzemann beim Tanzen schüttelt und sein Säckchen hinter sich wirft. Wer bleibt da beim Singen schon stocksteif sitzen oder stehen?

Lied "Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann" anhören

Kinder jedenfalls nicht. Je jünger sie sind, desto mehr erleben sie sich und ihre Umwelt mit dem ganzen Körper. Und genau so reagieren sie auch: Ob Ihr Kind freudig herumspringt oder wütend stampft, erkennen Sie nicht nur an seinem Gesichtsausdruck, sondern auch an seiner unmissverständlichen Körpersprache.

Koordination will erworben sein

Aber die Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern sind noch viel reicher, und genau hier setzt rhythmisch-musikalische Früherziehung an. „Letztlich geht es darum, die Kinder in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit zu unterstützen“, formuliert die Rhythmik-Pädagogin Elisabeth Schwarzer das Ziel von Tanz- und Spielliedern.

Denn scheinbar harmlose Tänzchen oder zum Liedinhalt passende Bewegungen verlangen Kindern einiges ab: ein zuverlässiges Melodie- und Textgedächtnis, die auf den Text abgestimmte Koordination der Bewegungen und nicht zuletzt Orientierungsfähigkeit im Raum. Sonst klappt es nicht mit dem „Rütteln und Schütteln“, und das Säckchen wird nicht nach „hinten“ geworfen.

Lied "Häschen in der Grube" anhören

Erste musikalisch-motorische Erfahrungen sammelt ein Kind schon auf den wiegenden Armen oder den wippenden Knien der Eltern, erklärt Elisabeth Schwarzer: „Je kleiner die Kinder sind, desto häufiger ist ihr Bewegungsempfinden an Lieder gekoppelt. Schon sehr früh gibt es Tröste- und Wiegenlieder und Kniereiterverse.“ Nach und nach bewegen sich Kinder immer unabhängiger, und mit fünf Jahren bringen sie in aller Regel schon viele Fertigkeiten und große Bewegungslust mit.

Manche sind dann schon recht geschickt, schnell und wendig, andere dagegen haben noch Schwierigkeiten, rückwärts zu gehen oder auf einem Bein zu hüpfen. Das liege nicht nur am persönlichen Entwicklungsgrad, ist Elisabeth Schwarzer überzeugt, sondern auch daran, wie viel Gelegenheit die Kinder davor schon erhalten hätten, Bewegungsarten wie Springen, Klettern oder Balancieren auszuprobieren.
Eine Rolle spiele auch, ob Kinder zu Hause ihre Lieblingsmusik auflegen oder auch einfach mal drauflos tanzen dürften.

Lied "Mein Hut, der hat drei Ecken" anhören

Tanzen macht Spaß

Tänze und Bewegungen fallen Kindern vor allem dann leicht, wenn sie mit einer Vorstellung verbunden sind, etwa in dem beliebten „Was müssen das für Bäume sein“ oder dem alten Kindertanzlied „Machet auf das Tor“. Wenn Elefanten unter großen Bäumen spazieren gehen oder ein Tor einen goldenen Wagen durchlässt, strecken Kinder die Arme von alleine hoch. Diese Vorstellungshilfen, so Elisabeth Schwarzer, sind für jüngere Kinder hilfreicher als Tanzanleitungen.

Lied "Machet auf das Tor" anhören

Ihr geht es nicht darum, dass ein Kind in möglichst kurzer Zeit bestimmte Bewegungsabfolgen fehlerfrei erlernt. Kinder sollen stattdessen vorgegebene Bewegungen – das „Waschen“ oder „Schütteln“ – selbst erkunden und auch einmal eigene Bewegungen erfinden.

Was können Eltern und Erzieherinnen tun, um die musikalisch-motorische Entwicklung ihrer Kinder zu unterstützen? Nichts Kompliziertes, beruhigt die Pädagogin, am besten sei es, sie Erfahrungen sammeln zu lassen und selbst Vorbild zu sein.

Springen, Rennen und Schaukeln auf der einen, Singen und dazu Bewegen auf der anderen Seite reichten völlig aus. Das mache nicht nur Spaß, sondern bringe auch Ausdauer, Beweglichkeit und Geschick. „Von Anfang an Bewegungs- und Kreisspiele, Lieder singen und sie manchmal mit kleinen pantomimischen Bewegungen begleiten, manchmal auch grobmotorisch darstellen: wenn man das beherzigt – und Kinder geben die Impulse dazu von sich aus –, hat man einen großen Grundstein gelegt.“
 

Die Rhythmikerin und Percussionistin Elisabeth Schwarzer lehrt als Dozentin an der Fachschule für Sozialpädagogik Nagold und an der Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg (Ochsenhausen).

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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