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Der erste Geburtstag –
ein Meilenstein

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 12 Monate

Der erste Geburtstag ist etwas Besonderes im Leben eines Kindes, schon allein im Sprachgebrauch: Mit seinem ersten Lebensjahr wird aus dem Säugling oder Baby – zumindest offiziell – ein Kleinkind. Denn seit seiner Geburt hat das Kind eine enorme Entwicklung durchgemacht.

Im Alter von einem Jahr haben Körper und Gehirn des Kindes eine kaum vorstellbare Entwicklung hinter sich. Das Gewicht hat sich im Schnitt beinahe verdreifacht, der Körper ist um etwa die Hälfte gewachsen, die ersten Milchzähne sind da oder kommen spätestens jetzt.

Und ständig sind in den vergangenen zwölf Monaten im Gehirn neue Verknüpfungen entstanden. Das Kind greift gezielt und geschickt nach Gegenständen, es hat gelernt zu sitzen, zu robben oder zu krabbeln. Vielleicht zieht es sich schon überall hoch oder probiert zum Stolz der Eltern die ersten Schritte – und bei allem orientiert es sich an seiner Umgebung: Einjährige Kinder brauchen für ihre Entwicklung notwendig den Kontakt und den Austausch mit Eltern, Geschwistern und anderen Menschen.

Bisher haben die Kleinen vor allem ihre eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten wahrgenommen. Nun lernen sie allmählich, auch die Gefühle und Reaktionen anderer Menschen einzuschätzen – eine wichtige Voraussetzung für das künftige Familienleben!

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Vor dem Sprechen kommt das Denken

Viele Eltern warten gespannt auf den Tag, an dem das Kind sein erstes Wort spricht. Schon früher hat es die Bedeutung von einzelnen Wörtern gelernt – es weiß genau, wer „Mama“ und „Papa“ sind und dass es gern mit der „Ente“ oder dem "Ball" spielt.

Längst schon hat das Kind auch den Rhythmus der Sprache und ihre Betonungen verinnerlicht:

„Zu Beginn des zweiten Lebensjahres entwickeln Kinder einen so genannten Sprechjargon. Es handelt sich um ein Kauderwelsch,  das zumeist keine eigentlichen Wörter enthält. Das Charakteristische daran ist, dass die Kinder den Fluss, den Rhythmus und Tonfall der Umgebungssprache nachahmen. Je nach Stimmung und Situation, die sich das Kind vorstellt, klingt sein Geplauder wie die Sprechweise der Mutter, des Vaters oder eines Geschwisters“, schreibt dazu der Schweizer Kinderarzt und Autor Remo Largo.

Immer wieder lassen sich die Kinder die Namen von Menschen oder von Gegenständen sagen. Sobald sie ihre ersten Wörter sprechen, bemühen sie sich von selbst um eine gute Aussprache und richtige Sätze – und richtig ist für sie das Vorbild der Eltern. So wird aus der "Pulme" mit der Zeit die "Blume", aus der "Waus" die "Maus".

Aber wann ein Kind überhaupt anfängt zu sprechen, ist – ähnlich wie beim Laufen  – schwer vorherzusagen. Die meisten beginnen zwischen zwölf und achtzehn Monaten. Manche versuchen schon vor dem ersten Geburtstag zu sprechen, manche fangen erst zwischen dem zweiten und dem dritten Lebensjahr damit an. Remo Largo rät zu Gelassenheit: "Es ist nicht sinnvoll, Kinder, die in ihrer Sprachentwicklung langsam sind, zum Reden zu drängen. Eltern können die Sprachentwicklung ihres Kindes am besten fördern, wenn sie dem Kind möglichst viel Gelegenheit geben, Sprache bei Alltagsbeschäftigungen und im Spiel mitzuerleben und anzuwenden." Es gibt Kinder, die bis zu ihren ersten Wörtern mit Gesicht und Händen ausdrücken, was sie meinen. Andere singen, bevor sie sprechen.

Lied "Und wer im Januar geboren ist" anhören

Freude an der Stimme

Denn Singen und Sprechen liegen eng beieinander. Das kann man ganz wörtlich nehmen: Sprache und Musik werden teilweise in den gleichen Regionen unseres Gehirns verarbeitet. Kleine Kinder nehmen Sprache noch sehr musikalisch wahr. Sie hören noch viel stärker zum Beispiel auf die Sprachmelodie, das Auf und Ab der Stimme.

Hilfreich für das Sprachverständnis des Kindes sind einfache Verse und Lieder. Sie heben den Rhythmus einer Sprache besonders deutlich hervor. Und je jünger die Kinder sind, desto mehr gilt, dass vor allem gelernt wird, was Abwechslung und Freude bringt. Das beginnt schon bei der Körpersprache: Wenn Eltern mit ihrem Kind singen oder sprechen, wenden sie sich ihm zu.

Angenehmer Körperkontakt, etwa auf dem Schoß, schafft zusätzliche Sicherheit, denn Kleinkinder sind von Natur aus Traglinge. Besonders einfach und hilfreich für Eltern und Kinder ist, Lieder oder Verse in den Alltag einzubauen. Bewährtes Beispiel sind Wiegenlieder abends beim Einschlafen. Für ein einjähriges Kind wird Musik außerdem dann interessant, wenn es etwas zum Ansehen und Anfassen hat: Mund oder Finger der Eltern, ein Instrument oder ein Gegenstand, mit dem das Kind dann Klänge oder Geräusche erzeugt – so lernt es seine Bewegungen zu koordinieren.

Lied "Müde bin ich, geh zur Ruh" anhören

Kinder im Alter von zwölf Monaten können auch schon selbst anfangen zu singen. Ihre ersten Töne kommen, wenn sie lange zugehört haben, aus einem entspannten Wohlgefühl heraus: „ Das Baby hört die Töne, nimmt sie mit allen Empfindungen auf, verarbeitet sie und ordnet sie in bereits Bekanntes ein, speichert diese Eindrücke und gibt zu seiner Zeit Töne wieder“ – so beschreibt es die Musikpädagogin Maria Seeliger. Wenn es Eltern gelingt, die Tonhöhe ihres Kindes aufzunehmen, kann daraus sogar ein musikalisches Gespräch entstehen: Dann ahmen Eltern und Kind einander nach und probieren Töne und Klänge aus – vielleicht noch vor dem ersten Wort.

Lied "Alles Gute zum Geburtstag" anhören

 

Weiterführende Literatur:

Remo H. Largo, Babyjahre. Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren, Piper, 7. Auflage 2011

Maria Seeliger, Das Musikschiff. Kinder und Eltern erleben Musik. Von der pränatalen Zeit bis ins vierte Lebensjahr, ConBrio 2003

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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