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Im Rhythmus der Mutter

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 3./4. Schwangerschaftsmonat

Die Schwangere legt ihre Hände auf ihren Bauch. Noch nichts zu spüren, nichts zu sehen. Und doch ist da was – ein etwa 4 cm großer Embryo in ihrem Bauch. Unvorstellbar, aber auf dem Ultraschall der Frauenärztin hat sie es ganz deutlich gesehen: Eine kleine Bohne. Oder eher ein Bärchen? Ihr Kind jedenfalls. Und das soll schon bald hören können, da drin?

Angehende Mütter werden überschüttet mit Werbematerial, Babyölfläschchen und guten Ratschlägen. Gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten – und sein Bauchgefühl nicht zu verlieren. Das weiß nämlich ziemlich oft am besten, was für Mutter und Kind gut und richtig ist.

Braucht man wirklich die Klassik-Schwangerschafts-CD? Ein regelmäßiges Klangschalenkonzert auf der Bauchdecke? Wird das Baby im Leben nur punkten können, wenn es vor der Geburt möglichst viel Mozart mitbekommt?

Ball flach halten, sagt Prof. Christoph Bührer, Neonatologe an der Berliner Charité. Das Beste, was eine Mutter in diesem Stadium der Schwangerschaft für ihr Kind tun könne, sei, nicht zu rauchen, nicht zu trinken und ansonsten ihr normales Leben weiter zu führen. „Wichtig ist, dass die Mutter sich in dieser Zeit wohlfühlt und diese Zeit auch genießt. Je glücklicher die Mutter, desto besser geht es dem Kind“, so Bührer.

Lied "Wenn ich glücklich bin" anhören

Etwa ab der Hälfte der Schwangerschaft kann man davon ausgehen, dass das Ungeborene hört. Wenn man sich klar macht, welchem Lärm es im Mutterleib ohnehin schon ausgesetzt ist, würde man lieber nur noch flüstern, statt es zusätzlich zu beschallen: Das Herz der Mutter poltert, der Darm röhrt, und im Magen gluckert es! Einige Forscher meinen, die Lärmbelastung eines ungeborenen Kindes könne bis zu 80 dB betragen, etwa so viel wie an einer viel befahrenen Autobahn. Armes Baby! Und trotzdem kann es bald schon die Stimme der Mutter oder anderer Familienmitglieder unterscheiden.

Lied "Ringel, Ringel, Reihe" anhören

Experten haben herausgefunden, dass eher tiefe Töne zu ihm dringen. Also dann vielleicht doch Metallica statt Mozart. Oder Trommeln  – und nicht so viele hohe Töne. Aber Vorsicht: Das Ungeborene schläft noch etwa 20 Stunden am Tag. Laute, unerwartete Geräusche wecken es auf und sorgen für Unruhe.

Natürlich, sagt auch Prof. Bührer, könne man jederzeit und viel mit dem Kind reden, aber nicht, weil man glaubt, dass man es damit unglaublich fördern könne, oder weil das Kind schon alles verstehe. Nein, sagt Bührer, weil die Kontaktaufnahme mit dem Kind, ob singend oder sprechend, gut für die Mutter ist. Das hat das Bauchgefühl schon lange gesagt – stimmt's?

Lied "Der Kuckuck und der Esel" anhören

Tipps für die werdende Mutter:

  • Stellen Sie sich Ihre eigene CD zusammen, mit Musik, die sie glücklich macht. Schnell oder langsam spielt dabei keine Rolle. Nehmen Sie sich einmal die Woche Zeit, diese Musik bewusst zu hören – und sich vielleicht auch dazu zu bewegen. Später, wenn Ihr Baby auf der Welt ist, können Sie ja mal den Test machen: Reagiert Ihr Baby besonders auf diese Musik? Erinnert es sich vielleicht an einige Melodien? Und sehr viel später können Sie diese CD an Ihr Kind vermachen. Dann hat es eine schöne, vorgeburtliche Erinnerung.

  • Singen Sie gern? Oder gehören Sie allenfalls zu den verschämten Unter-der-Dusche-Sängern? Vergessen Sie es. Bald werden Sie eh singen – und hoffentlich viel. Es lohnt sich also, schon jetzt im Gedächtnis oder auf dem Dachboden nach alten Kinderliedern zu kramen. Und schon mal zu üben. Es muss kein Riesen-Repertoire sein, ein Lied genügt. Babys lieben Wiederholungen!

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 3./4. Schwangerschaftsmonat