Kind und Umwelt

Kinderleicht – Singen und
Spielen mit Ihrem Kind

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 2 Jahre

Kinder lieben Musik. Sie lieben die Unterschiedlichkeit der Töne und Geräusche, sie lieben Lieder und Rhythmen. Sie lieben Kniereiterlieder und Verse, zu denen das „Männchen“ langsam die Stufen auf dem Ärmchen hinaufsteigt und die Stimme des Erwachsenen immer höher wird. Oben angekommen wird das Glöckchen (das Ohrläppchen) „geläutet“, was meist mit einem fröhlichen Lachen belohnt wird.

Dieses Kinderlachen können Sie auch bei einem einfachen Kniereiterlied wie „Hoppe, hoppe, Reiter“ erleben, und die tröstende Wirkung von „Heile, heile Segen“ ist viel stärker, wenn Sie es Ihrem Kind vorsingen. Es sind die Zuwendung und die besondere emotionale Wirkung der Singstimme, die ihm so gut tun. Wie stellen Sie es aber an, dass Ihnen die Töne selbstverständlich kommen und die Lieder über die Lippen gehen? Hier sei Einiges genannt, was Ihnen vielleicht Mut macht, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen.

Lied "Ringel, Ringel, Reihe" anhören

Abtauchen in die Erlebniswelt

Zweijährige Kinder fühlen sich meist sehr wohl, wenn sich Mutter oder Vater Zeit nehmen, gemeinsam ein Bilderbuch betrachten und dazu die Geschichte erzählen. Auf dem Schoß sitzend entstehen Behaglichkeit und die notwendige Ruhe.

Eltern schenken Ihrem Kind eine ganz besonders wertvolle Art der Zuwendung, indem sie ihm Zeit schenken. Nicht nur für die versorgungstechnischen Tätigkeiten, wie Essen zubereiten, Windeln wechseln, oder dergleichen. Nein, Zeit für einen Ausflug in die Welt der Bilder und Geschichten.

In dieser Atmosphäre, in der Hektik und Nervosität abgelegt sind, versenkt sich das Kind ganz und gar in die Bilderwelt; es dringt mit all seinem Vorstellungsvermögen in die Geschichte ein. Gemeinsam gehen Sie mit Ihrem Kind über den Bauernhof und betrachten jedes noch so winzige Detail, das Ihr Kind dort entdeckt: das Pony, den Traktor, die Ente, den Apfelbaum oder die Maus.

Lied "In meinem kleinen Apfel" anhören

Ihr Kind liebt es besonders, wenn sie die jeweiligen Geräusche ergänzen. Dadurch wird das Bilderbuch noch viel spannender!

Spielen mit Stimme und Geräuschen

Oder denken Sie an den Herbst, mit seinen Winden, dem Regen, den Pfützen. Mit welchem Buchstaben oder welcher Silbe würden Sie versuchen ein windähnliches Geräusch zu machen? Ja natürlich, da fällt uns gleich das „f“ ein oder das „hui“. Vielleicht haben Sie Lust es einfach mal auszuprobieren: ein Wind auf ein langgezogenes „f“. Und wenn Ihnen der Wind zu langweilig vorkommt, stärken Sie seine Intensität, indem Sie die Tonhöhe nach oben und unten verändern, so dass kleine Wellen entstehen. Wenn es ein ganz starker Wind ist, werden die Wellen noch höher. Dieses Geräusch ähnelt fast einem Pfeifen. Es wird durch die Lippenspannung erzeugt, wobei der Luftstrom auch an den Zahnreihen vorbei streift, was ebenso für den Klang verantwortlich ist.

Lied "Wenn die wilden Winde stürmen" anhören

Mit unseren Stimmbändern hat das noch recht wenig zu tun. Da müssen wir schon das „hui“ bemühen. Ein tief gesprochenes „hui“ wird uns weniger an einen munteren Herbstwind, der alle Blätter von den Bäumen weht, erinnern als ein nach oben ansteigendes. Wenn Sie Ihr Kind beim Schaukeln unterstützen, werden Sie vielleicht ein ähnliches „hui“ ganz automatisch verwenden. Dieses „hui“ ist sehr wertvoll, wenn Sie ausprobieren wollen, was in Ihrer Stimme steckt. Beobachten Sie einmal genau: sehr schnell wird Ihr Kind diese Geräusche nachahmen, die Sie vorgemacht haben. Und immer, wenn sie die Seite mit dem Herbst im Bilderbuch aufschlagen, wird ihr Kind den Wind mit einem „f“ oder „hui“ lautmalerisch darstellen.
Evelin Kramer

Evelin Kramer ist Dozentin an der Landesakademie für die musizierende Jugend in Ochsenhausen. Einen Schwerpunkt bildet für die studierte Diplom-Kirchenmusikerin und Musikpädagogin die frühe musikalische Erziehung. Elementare Musik- und Tanzerziehung studierte sie u.a. am Carl Orff Institut der Universität Mozarteum in Salzburg. Das von ihr und Klaus K. Weigele herausgegebene Heft mit CD „Kinderleicht“ ist 2011 im Carus-Verlag erschienen.

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

 

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