Entwicklung

Lärm und andere Belastungen

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 9. Schwangerschaftsmonat

Allmählich wird es eng für das Ungeborene, selbst wenn Größe und Gewicht von Kind zu Kind unterschiedlich sind. In der 36. Schwangerschaftswoche wiegt Ihr Kind knapp drei Kilo bei etwa 45 cm Größe. Es macht sich nun deutlich bemerkbar: Seine Bewegungen sind von außen zu spüren und gelegentlich sogar zu sehen. Auch das Gehör des Kindes reift in den letzten Schwangerschaftswochen aus.

Allmählich wird es eng für das Ungeborene, selbst wenn Größe und Gewicht von Kind zu Kind unterschiedlich sind. In der 36. Schwangerschaftswoche wiegt Ihr Kind knapp drei Kilo bei etwa 45 cm Größe. Es macht sich nun deutlich bemerkbar: Seine Bewegungen sind auch von außen zu spüren und gelegentlich sogar zu sehen. Auch das Gehör des Kindes reift in den letzten Schwangerschaftswochen aus.

Gegen Ende der Schwangerschaft reagiert das Ungeborene schon auf eine Lautstärke von 25 dB, das entspricht leisem Blätterrascheln, obwohl die Umgebung im Mutterleib um einiges lauter ist. Erst Außengeräusche ab 60 dB – etwa wenn Sie nahe vor dem Fernseher sitzen oder sich mit jemandem relativ laut unterhalten – gelangen direkt an die Ohren des Kindes.

Lied "Kein schöner Land" anhören

Werdende Mütter merken es selbst, wenn ein Geräusch unangenehm laut wird. Auch das Kind reagiert darauf: Vor allem technischer Lärm mit hoher Frequenz, etwa von einer Kreissäge, sorgt für mehr Kindsbewegungen und eine Steigerung der Herzfrequenz beim Fötus als niederfrequente Geräusche, etwa das Brummen und Holpern eines LKW. Ganz anders reagiert das Ungeborene auf die Stimme der Mutter, wenn sie singt und dabei ebenfalls relativ hohe Frequenzen erzeugt: Das hat eine eher beruhigende Wirkung, Herzfrequenz und Bewegungen des Fötus lassen nach.

Lied "Kindlein mein" anhören

Für das Kind gibt es einen natürlichen Schutzmechanismus gegen Lärm: Seine Ohren sind voll mit Fruchtwasser, außerdem dämpfen Bauchdecke und Gebärmutter von außen kommende Geräusche ab, besonders solche mit hoher Frequenz. Aber auch der Gesetzgeber sorgt dafür, dass Schwangere keine Arbeiten verrichten dürfen, bei denen sie massivem Lärmeinfluss ausgesetzt sind. Geschont wird dadurch allerdings nicht das Hörsystem des ungeborenen Kindes – eine Hörschädigung im Mutterleib durch Lärm ist höchst unwahrscheinlich –, sondern das vegetative Nervensystem der Mutter, das lebenswichtige Körperfunktionen steuert.

Zu viel Stress schadet auch dem Kind

Auch großer psychischer Druck kann unter Umständen dem Ungeborenen schaden. Gelegentliche Anstrengungen im Beruf, im Alltag oder in der Partnerschaft kann eine Schwangere auffangen. Dagegen ist auch der Fetus geschützt, denn er verfügt über Enzyme, die die von der Mutter ausgeschütteten Stresshormone neutralisieren oder zumindest reduzieren. Der Neurologe und Musiker Eckart Altenmüller warnt aber vor ständigem oder schwerem Stress, der die Entwicklung des Kindes beeinflussen kann, wenn die Schwangere zum Beispiel häufig belastendem Lärm ausgesetzt ist, in einer schweren Krise steckt oder mit existenziellen Problemen kämpft.

„Außerdem“, so Altenmüller, „kann Stress zu ungünstigen Reaktionen oder Verhaltensweisen der Mutter führen: verminderte Schlafdauer, Rauchen oder Alkoholkonsum, die schädlich für die Entwicklung des Kindes sind.“ Für ihn ist sehr wichtig, dass Schwangere mit einer gewissen Rücksicht und bestimmten Schutzvorschriften rechnen können. Schließlich wird die spätere Entwicklung eines Kindes durch vorgeburtliche Einflüsse mitbestimmt.

Lied "In meinem kleinen Apfel" anhören

Schwangere selbst können unangenehmen oder anstrengenden Situationen – einem klärenden Gespräch, einer Auseinandersetzung oder einer dringend zu erledigenden Arbeit – nicht immer aus dem Weg gehen. Was sie dagegen vermeiden können, sind Genussgifte wie Alkohol und Nikotin als Seelentröster oder Beruhigungsmittel. Soweit Sie als werdende Mutter es also einrichten können, versuchen Sie Ihre Anspannung oder Ihren Ärger lieber mit entspannender Bewegung, Musik oder Tanzen abzubauen. Das bringt Ihnen und Ihrem Kind mehr.

 

Eckart Altenmüller erforscht die Auswirkungen von Musik auf das Gehirn. An der Staatlichen Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover leitet er das Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin.

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von LIEDERPROJEKT.ORG, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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