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Mehr als nur Spaß: Liedgeschichten

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 4 Jahre

Viele Lieder erzählen Geschichten! Geschichten vom Fuchs, der die Gans gestohlen hat, welch schönes Kind Dornröschen war, wie der Butzemann im Kreis herumtanzt oder wie es zugeht, wenn Vögel Hochzeit feiern. Kinder lieben Geschichten und besonders auch solche, die gesungen, getanzt und musiziert werden können.

Mit vier Jahren verfügen Kinder bereits über einen Wortschatz von etwa 1.500 bis 2.000 Wörtern. Das Kind kann sich bereits in ganzen Sätzen ausdrücken und Fragen stellen. Die vielen „Warum“-Fragen zeigen an, dass das Kind sich jetzt im zweiten Fragealter befindet (im ersten Fragealter, mit etwa eineinhalb Jahren, hat es mit seinem damals noch sehr geringen Wortschatz, etwa 50 Wörtern, schon seine ersten Fragen formuliert).

Bis zum Schuleintritt wird sich dann der abrufbare Wortschatz auf etwa 4.000 Wörter erweitert haben; dies gelingt umso besser, je mehr Zuwendung, Anregung und Förderung das Kind erfährt. Das Singen von Liedern, das Erzählen von Geschichten, Betrachten von Bilderbüchern und natürlich das miteinander Sprechen sind die wichtigsten Anregungen für eine kontinuierliche Sprachentwicklung und Musikalisierung.

Lied "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" anhören

Brautwerber und Kaplan

Gerade Erzähllieder bereiten Kindern durch ihre bunte und facettenreiche Erzählsprache, durch eingängige Melodien und Rhythmen viel Freude. Diese Freude regt zum häufigen Wiederholen an; so üben Kinder unbewusst Worte, die ihren Wortschatz erweitern und sich nach und nach in ihrer Bedeutung erschließen.

Lied "Auf einem Baum ein Kuckuck saß" anhören

Im unserem reichhaltigen deutschsprachigen Kinderliederschatz finden sich viele alte und neue Erzähllieder. Die meisten kennen das Lied von der „Vogelhochzeit“. Darin geht es um Drossel, Sperber, Lerche, Auerhahn, Meise und manch anderen Vogel, die alle ihren Platz in der Geschichte einnehmen. Man könnte meinen, es handle es sich um einen kleinen vogelkundlichen Ausflug im Kinderzimmer!

Kinder erweitern hierdurch ihren Wortschatz und begegnen dabei auch noch der Braut und dem Bräutigam, dem Brautwerber (er hielt früher für den Bräutigam um die Hand der Braut beim Brautvater an!), dem Pfarrer, dem Kaplan und sogar dem „Kyrieleise“.

Unverständlichkeit ist kein Problem! Die kindliche Phantasie kann mit (noch) unverständlichen Begriffen gut umgehen und füllt sie, ohne ihre Bedeutung zu kennen, mit eigenen Bildern und Emotionen – bis das Gedächtnis schließlich von selbst die Frage nach der Bedeutung stellt. Lustig sind in der „Vogelhochzeit“ die „falschen“ Reime wie Lerche und Kerche (statt Kirche) und Anten statt Enten (als Reim auf die Musikanten). Diese Anregung kann man aufgreifen und eigene komische Reime finden wie Hase – Nase, Hose – Nose oder Hund – Kund (statt Kind).

Lied "Ein Vogel wollte Hochzeit machen" anhören

Fitness für die Mundmotorik

Rhythmus und Melodie spornen Kinder zur Artikulation und zum Sprechen in einem vorgegebenen Tempo an. Das Tempo ist dabei der Trainer. Geht es noch ein wenig schneller, sind die Worte noch zu verstehen? Durch die Verbindung von Sprache und Rhythmus trainiert sich das flexible und gut funktionierende Arbeiten von Lippen und Zunge und kann immer besser in einem bestimmten Tempo bewerkstelligt werden. Dies wird besonders deutlich im Kehrvers. Er ist nicht nur schön zu singen sondern stellt mit dem federnden „Fideralala“ die beste Übung der Artikulationsfähigkeit dar. Die Zunge muss hier gute Arbeit leisten!
Und es macht Spaß! Fideralala, fideralala, fiderala-lala-la! Das ist fast wie auf der Schaukel. Schneller, höher, weiter – Die Vogelhochzeit ist nun aus, nun fliegen alle froh nach Haus.
Nicht nur Geschichten stecken in Liedern. Auch eine Vielzahl an Spiel- und damit Lernmöglichkeiten für Vierjährige. Der Schatz, den Kinder dabei sammeln, ist ein Schatz für’s ganze Leben.
Evelin Kramer

Lied "Brüderchen, komm tanz mit mir" anhören

 

Die Musikpädagogin, Chorleiterin, Cembalistin und Organistin Evelin Kramer unterrichtet an der Landesakademie Ochsenhausen als Dozentin. Das von ihr und Klaus K. Weigele herausgegebene Heft mit CD „Kinderleicht“ ist 2011 im Carus-Verlag erschienen.

 

 

Weiterführende Literatur:

Ministerium für Bildung und Frauen des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.)
Tischler Dr., Björn: „Zauberhafte Sprachförderung mit Musik und Bewegung“ in Spielerische Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen, Kiel 2009

Schlösser, Elke: Wir verstehen uns gut – spielerisch Deutsch lernen, Münster 2007

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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