Tipps

Tönen und tanzen bei der Hebamme

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 9. Schwangerschaftsmonat

Sie untersuchen Schwangere, informieren über das Gedeihen des Ungeborenen, leiten Kurse für Schwangerschaftsgymnastik, sind während und nach der Geburt für Eltern und Kind da: Hebammen decken viele Aufgaben ab. Manche bieten darüber hinaus noch Akupunktur, Homöopathie oder Babymassage an – und in manchen Fällen auch Musik!

Sie untersuchen Schwangere, informieren über das Gedeihen des Ungeborenen, leiten Kurse für Schwangerschaftsgymnastik und sind während und nach der Geburt für Eltern und Kind da: Hebammen decken viele Aufgaben ab. Manche bieten darüber hinaus noch Akupunktur, Homöopathie oder Babymassage an – und in manchen Fällen auch Musik!

„Meine Hebamme bietet Geburtsvorbereitungskurse für schwangere Frauen an“, berichtet Petra Humer im Gespräch, „und ich fand, dass man da auch mit Musik arbeiten müsste, weil die Kinder ab dem fünften, sechsten Schwangerschaftsmonat ja schon hören.“
Die Elementare Musikpädagogin unterrichtete nach ihrer Ausbildung zunächst Kinder in der (üblichen) Altersspanne zwischen vier und zehn Jahren. Aber schon bald beschäftigte sie sich mit dem sprachlich-musikalischen Auffassungsvermögen immer jüngerer und schließlich auch ungeborener Kinder. Seit 2008 bietet Petra Humer gemeinsam mit Hebamme Karoline Humer (die mit der Musikpädagogin weder verwandt noch verschwägert ist) in deren Hebammenpraxis musikalische „Wohlfühl“kurse für werdende Mütter an.

Lied "Es waren zwei Königskinder" anhören

Die Atmosphäre ist das Wichtigste

Für Schwangere gibt es fünf Vormittagskurse mit Hebamme und Musikpädagogin vor der Geburt und einen Termin danach, zu dem die frischgebackenen Mütter mit ihren Kindern kommen. Unter dem Motto „Geborgen im Klang der Stimme, der Musik und der Bewegung“ singen, atmen und tönen die Schwangeren gemeinsam, bewegen sich meditativ oder rhythmisch zu Musik und musizieren mit Klangschalen, Trommeln oder einfachen Zupfinstrumenten.

Die Musikauswahl passt Petra Humer der Gruppe an. So können zu deutschsprachigen Liedern auch ein italienisches Wiegenlied oder ein englischer Reigen kommen, gelegentlich singen die Frauen und tanzen dazu, manchmal kommt die Musik auch von CD. Aber immer geht es um die Verbindung von Musik, Sprache und Bewegung. Petra Humer kommt es dabei weniger auf die Vermittlung musikalischer Kenntnisse an: „Am wichtigsten ist mir, dass die Atmosphäre stimmt. Es ist bekannt, dass sich Ungeborene schon Rhythmen und Melodien merken können. Aber ich glaube, das, was sich ihnen am meisten einprägt, sind die Gefühle, die die Mutter durch die Musik und das Singen erlebt.“ Eine wohltuende räumliche und musikalische Umgebung schaffe bei den schwangeren Frauen ein Gefühl der Vertrautheit.

Lied "O wie wohl ist mir am Abend" anhören

Dem musikalischen Teil folgt eine intensive Gesprächs- und Austauschrunde mit der Hebamme. Außerdem können die werdenden Mütter Musikaufnahmen aus den Kursen auf CD mit nachhause nehmen, die sie bis zur Geburt und darüber hinaus anhören: „Beim Hören der CD erinnert sich die Mutter an den Hebammenkurs, wo sie sich geborgen fühlte und alles fragen konnte. Viele Mütter erzählen, dass sich selbst ihre Kinder beim Hören dieser Musik, die sie schon aus dem Mutterleib kennen, schnell wieder beruhigen.“ Außerdem veranstalten sie und die Hebamme für junge Mütter mit ihren Babys und Kleinkindern Musik-Spielgruppen, um die musikalische Praxis mit Kindern auch nach der Geburt zu unterstützen.

Musik für die Eltern – Musik für die Kinder

Für Väter gibt es beim Geburtsvorbereitungskurs einen Abendtermin, an dem sie zusammen mit ihren Partnerinnen teilnehmen können. An diesem Abend dreht sich das Gespräch mit der Hebamme natürlich vor allem um die Geburt. Aber vorab bekommen die Väter einen Einblick in das musikalische Vormittagsprogramm der Frauen. „Wir beginnen dann immer ganz unverfroren mit einem Kreistanz mit den Vätern. Und die haben keine Zeit zu überlegen, ob das peinlich ist“, erklärt Petra Humer.

Sie ist überzeugt, dass vielfältige musikalische Erfahrungen nicht nur dem Kind, sondern auch den Eltern etwas bringen: „Spätestens wenn das Kind vom Kindergarten mit dem ersten Lied heimkommt und das stolz vorsingt, singt man wieder mit. Und es ist ein großes Erlebnis, wenn man selbst wieder zum Singen, zum Musizieren, zum Musikhören zurückfindet.“
Petra Humer lädt werdende Eltern ein, sich auch schon vor der Geburt ihres Kindes mit den eigenen Hörgewohnheiten oder auch den musikalischen Jugenderinnerungen zu beschäftigen und alte Musiziergewohnheiten wieder aufzugreifen, damit das Kind mit Musik aufwachsen könne. Ob Klassik oder Hardrock, sei dabei gleich: „Wenn die Eltern sich dabei wohl und geborgen fühlen, wird auch das Kind die Musik so erleben.“

Lied "Eine kleine Geige möcht ich haben" anhören 

Wenn Sie also sich und Ihrem Kind schon früh etwas Gutes tun wollen, sehen Sie sich in Ihrer Region nach einem geeigneten Musikangebot um – vor der Geburt bei einer Hebamme mit musikalischem Angebot, nach der Geburt möglicherweise auch in einer Musikschule, die Kurse für junge Eltern mit ihren Babys anbietet. Und abgesehen davon können Sie natürlich immer zuhause selbst singen und tanzen oder Ihre Lieblingsmusik hören!

 

Die Pädagogin Petra Humer ist selbst Mutter von drei Kindern. Zusammen mit einer Hebamme (Karoline Humer) bietet sie im oberösterreichischen Michaelnbach „Relaxvormittage für Schwangere & werdende Väter“ sowie Musik-Spielgruppen für junge Mütter und ihre Babys und Kleinkinder an.

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von LIEDERPROJEKT.ORG, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 9. Schwangerschaftsmonat