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Schlaf, Baby, schlaf endlich ein...

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo Geburt

Mediziner und Psychologen haben mittlerweile durch Studien belegt: Singen fördert das Wohlbefinden. Singen Sie doch mal ein Gutenachtlied, statt Ihr schreiendes Kind stundenlang durch die Wohnung zu tragen oder im Auto um den Block zu fahren. Singen wirkt Wunder!

Singen macht glücklich, vertreibt trübe Gedanken, pusht unsere Stimmung und sogar unser Abwehrsystem. Singen Sie Ihrem Baby vor, wirkt das richtig beruhigend. Denn Singen vermittelt Gefühle viel unmittelbarer als Sprache. So konnten Psychologen zeigen: Der Stresshormonspiegel sinkt und bleibt auch deutlich länger auf einem niedrigen Niveau. Und zwar bei Eltern und Kind...

Lied "Schlaf, Kindlein, schlaf" anhören

Selbst Frühchen profitieren davon, wenn die Mutter singt. Allein vom Zuhören stabilisieren sich die Herz-und-Kreislauf-Funktionen der Kinder. Gehirnforscher fanden auch heraus: Singen kann Glückshormone produzieren, opiumähnliche Substanzen, die dieselben Areale im Gehirn stimulieren, als hätten wir Schokolade gegessen oder Sport getrieben. Außerdem wird beim Singen die Produktion von Melatonin kräftig angekurbelt – denn das braucht unser Körper für einen tiefen, gesunden Schlaf.

Lied "A le le" (China) anhören

Anscheinend war man sich schon recht früh der beinahe magischen Wirkung von Klängen bewusst. Um den positiven Aspekt des Singens wussten schon unsere Urahnen. So konnten die Menschen summen, singen und melodische Töne von sich geben, lange bevor sie sprechen konnten.

Denn Babys lieben Töne; mit etwa sechs Monaten beginnen Kinder bereits, sich zu Melodien und Liedern, die ihnen vorgesungen werden, zu bewegen. Sie wippen und schaukeln, und sobald Säuglinge etwas tapsig auf ihren Beinchen stehen können, versuchen sie sogar zu tanzen.

Lied "Lala, mtoto lala" (Ostafrika) anhören

Man kann deswegen gar nicht früh genug beginnen, Kindern vorzusingen oder mit ihnen zu singen. „Kinder die viel singen, haben ein besseres Sprachgefühl“, meint der Neurologe und Musiker Prof. Dr. Eckart Altenmüller. „Beim Singen und Sprechen wird zum Teil auf die gleichen neuronalen Netzwerke zurückgegriffen.“

Lied "Müde bin ich, geh zur Ruh" anhören

Und keine Sorge: wenn Sie jetzt erst mal mit Schlafliedern beginnen, können Sie eigentlich alles nur richtig machen. Selbst wenn es sich in Ihren Ohren ziemlich schräg anhört – die positive Wirkung stellt sich trotzdem ein. Also versuchen Sie es einfach. Es stimmt: wer sprechen kann, der kann auch singen.

 

Eckart Altenmüller erforscht die Auswirkungen von Musik auf das Gehirn. An der Staatlichen Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover leitet er das Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin. Auch die beruhigende Wirkung von Wiegenliedern auf Kinder und Eltern hat Eckart Altenmüller untersucht. Lesen Sie dazu das Interview (pdf).

 

Literaturhinweise:
Christina Grape, Maria Sandgren, Lars-Olof Hansson, Mats Ericson, Töres Theorell:
Does singing promote well-being? An empirical study of professional and amateur singers during a singing lesson.
Aus: Integrative Physiological Behavioral Science. Januar - März 2003; Band 38(1), S. 65-74

Lauren Hale, Lawrence M. Berger, Monique K. LeBourgeois, Jeanne Brooks-Gunn:
A longitudinal study of preschoolers' language-based bedtime routines, sleep duration, and well-being.
Aus: Journal of Family Psychology. Juni 2011; Band 25(3), S. 423-433

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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