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Im Dialog mit dem Kind

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 5./6. Schwangerschaftsmonat

Wie können Eltern in Kontakt treten zu ihrem ungeborenen Kind? Wenn Mutter oder Vater mit ihm sprechen oder ihm etwas vorsingen, erreichen sie es damit auch? Für Christoph Bührer, den Leiter der Neonatologie an der Berliner Charité, haben das Sprechen mit dem Ungeborenen und das Singen vor allem positive Auswirkungen auf die Eltern selbst.

Denn wer mit dem Ungeborenen spricht oder ihm etwas vorsingt, beschäftigt sich mit ihm. Und gerade die Mutter, daran erinnert Christoph Bührer, muss sich mit der Schwangerschaft und dem heranwachsenden Kind auseinandersetzen – gleich, ob das Kind heiß ersehnt, gewollt oder ungeplant ist. Eine Frau, die Mutter wird, muss diese neue Rolle und die damit verbundene große Lebensumstellung erst einmal annehmen.

Lied "Gut Nacht, mein feines Lieb" anhören

Singen und Sprechen können ihr helfen, sich auf das Kind vorzubereiten und mit ihm in Dialog zu treten. Diese Kontaktaufnahme hilft nicht nur Eltern, mit der Situation umzugehen – auch der Vater kann mit dem Kind sprechen oder etwas singen –, sondern sie nützt auch dem Kind: Reden und Singen bedeuten Kindern gegenüber immer auch emotionale Hinwendung. So vertieft sich schon vor der Geburt eine Bindung, auf die das Kind später noch lange Zeit angewiesen ist.

Lied "Guter Mond, du gehst so stille" anhören

Kontakt zum Ungeborenen

Körperliche und sprachliche Zuwendung und Anregung sind für Neugeborene nicht nur unentbehrlich, sondern lebensnotwendig. Und der unmittelbare Kontakt – natürlich zur Mutter, aber auch zum Vater – ist durch nichts zu ersetzen: „Zuwendung Kindern gegenüber ist eigentlich immer mit Sprechen verbunden“ , so Bührer. „Selbst Ärzte reden mit Kindern bei der Untersuchung in Babysprache. Wenn das von einer Kassette käme oder einer CD, wäre das sinnlos.“

Lied "Auf unsrer Wiese gehet was" anhören

Es ist gut, schon einmal mit dem Dialog anzufangen, während das Kind noch im Bauch der Mutter heranwächst. Auch wenn Ihr Kind natürlich noch nichts verstehen kann von dem, was Sie ihm sagen: Sprechen Sie mit ihm, singen Sie mit ihm. Wenn Sie so zu Ihrem Kind Kontakt aufnehmen können und sich dabei wohlfühlen, wird es auch Ihrem Kind gutgehen.

 

Professor Dr. Christoph Bührer ist Direktor der Klinik für Neonatologie, der Abteilung für Neu- und Frühgeborene, an der Berliner Charité.

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 5./6. Schwangerschaftsmonat