Kind und Umwelt

Der natürliche Umgang mit Musik

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 3 Monate

In den ersten Lebensmonaten lernen Sie und Ihr Kind sich gegenseitig kennen. Besonders schön ist es für Ihr Kind – und Sie selbst –, wenn Sie ihm etwas vorsingen, es dabei im Takt auf dem Arm wiegen und spüren, wie es sich allmählich beruhigt. Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, ihm schon jetzt Musik nahe zu bringen.

Schon in der Schwangerschaft hat das Kind ja nicht nur die Atmungs- und Darmgeräusche der Mutter gehört, sondern auch ihren Herzschlag und ihre Stimme. Es konnte hören, wie sie und vielleicht auch der Vater oder das Geschwisterkind redeten, sangen oder auch einmal schimpften, konnte sich an Sprachtempo, -rhythmus und -melodie gewöhnen.

Sabine Kleinau-Michaelis, die an der Musikschule der Landeshauptstadt Hannover den Bereich Elementare Musikpädagogik leitet, empfiehlt, Kindern möglichst bald nach der Geburt mit Musik vertraut zu machen: „Die Mutter redet vielleicht mit dem Kind, gurrt und summt, während es gewickelt wird, schaukelt es dabei hin und her oder streichelt es. Und nach und nach ergeben sich dann so kleine Spielchen, Reimchen, Verse, die oft selbst erfunden werden, weil sie zu der Situation passen. Oder man besinnt sich wieder darauf, weil man sie aus seiner eigenen Kindheit kennt.“

Lied "Auf der Mauer, auf der Lauer" anhören

Musik zusammen mit anderen

Die Musikschule Hannover plant, ihr Angebot an musikalischer Früherziehung auszubauen. Derzeit sind die jüngsten Musikschulbesucher etwa ein Jahr alt, aber es gibt bereits ein Konzept für ein Musikangebot, das sich an Schwangere richtet und nach der Geburt weitergeführt wird. Dieses Folgeangebot soll im Kindesalter von drei Monaten beginnen. Die Zeit bis dahin brauchen Eltern und Kinder, um sich zu Hause auf die neue Lebenssituation einzustellen.

Lied "Heut ist ein Fest bei den Fröschen am See" anhören

Dann aber sei es durchaus sinnvoll, Eltern-Kind-Gruppen anzubieten, erklärt Musikpädagogin Ulrike Gramann:
„Es werden gemeinsame Stunden für Eltern und Kind werden, die an diese Musikalität anknüpfen, die die Kinder auch schon im Mutterleib erfahren haben. Es wird Lieder zum Bewegen geben, Musik zum Hören und zum Beruhigen – das kann auch Musik sein, die die Mütter schon vor der Geburt gehört haben –, und es wird musiziert werden. Der Ablauf richtet sich auch danach, welche Wünsche und Erfahrungen diese Gruppe mitbringt. Aber letztendlich geht es um einen ganz natürlichen Umgang mit Musik.“

Lied "Hopp, hopp, hopp" anhören
 

Gut für Eltern und Kinder

Diese ganz selbstverständliche Einbindung von Musik soll dann auch in den Alltag mit dem Kind übernommen werden, in alltägliche Situationen wie etwa Füttern, Wickeln oder Schlafenlegen. Das gemeinsame musikalische Erlebnis in der Gruppe kann nicht nur die Eltern-Kind-Bindung erweitern und vertiefen, meint Ulrike Gramann, sondern auch Eltern – insbesondere Müttern – helfen, mit der noch neuen Lebenssituation zurechtzukommen:

„Sie lernen andere Frauen kennen, die in der gleichen Situation sind. Das sind dann Verbündete, mit denen sie gemeinsam Musik machen können. Das ist sehr wichtig für Mütter, deren Leben sich durch die Geburt des Kindes ja um 180 Grad gedreht hat.“

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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