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Singen mit Kindern - aber wie?

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 3 Jahre

Es ist berührend, wenn Kinder erstmals versuchen zu singen oder wenn sie nach und nach Melodien oder Lieder erlernen. Oft spielen sie selbst mit ihrer Stimme, indem sie improvisierend vor sich hinsingen und -sprechen. Auch für das Singen zusammen mit den Eltern, Erzieherinnen und Erziehern sind sie sehr empfänglich – allerdings sollten die Erwachsenen etwas über Kinderstimmen wissen.

„Papa, schau mal!“ – „Mama, wo bist du?“ Jede Kinderstimme hat ihren unverwechselbaren Klang, aber eines haben alle Kinder gemeinsam: Ihre Stimmen klingen anders als die Erwachsener, manchmal schriller, manchmal zarter, auf jeden Fall viel heller. Singt man mit den Kleinen, können ihre Stimmen erstaunliche Höhen erreichen. Woran liegt das?

Lied "Kuckuck, kuckuck, ruft's aus dem Wald" anhören

Der Körperbau von Säuglingen und Kindern unterscheidet sich von dem Erwachsener: Die kindlichen Stimmbänder sind kürzer als die der Erwachsenen, und der Kehlkopf sitzt noch ziemlich hoch im Hals. Erst mit den Jahren sinkt der Kehlkopf tiefer. Kinder haben deshalb einen leichteren, helleren Stimmklang als Erwachsene und sprechen und singen in einer höheren Lage. Ihr gesamter Stimmumfang ist von Geburt an vorhanden, aber sie erkunden ihn erst nach und nach.

Nicht zu tief und zu laut

Wenn Sie Ihr Kind anregen wollen, seinen Stimmumfang auszuschöpfen, ist das Singen ideal, allein schon deswegen, weil dabei immer auch die emotionale Zuwendung mitschwingt. Aber wie singt man mit Dreijährigen, und welche Lieder sind für sie geeignet?

Gerade kleinere Kinder orientieren sich am Vorbild der Erwachsenen. Sie lernen nicht nur neue Wörter und Satzbildungen, sondern übernehmen auch Sprech- und Singgewohnheiten.
Die erste Voraussetzung für das Singen mit Kindern ist der gesunde, ungezwungene Umgang mit der eigenen Sing- und Sprechstimme. Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, wie es mit Ihren eigenen Gesangskünsten aussieht, probieren Sie die Lieder Ihrer eigenen Kindheit. Vielleicht gehen Sie auch selbst in einen Chor oder singen die Lieder aus dem Kindergarten oder der Kita Ihres Kindes.

Lied "Auf de schwäbsche Eisebahne" anhören

Dabei sollten Sie nicht zu tief, d. h. nicht in der Sprechstimmlage singen. Pop- oder Rocksänger/innen machen das gerne, und durch ihren kernigen Sound klingt ihr Gesang sehr expressiv. Die Stimme der Kinder liegt aber höher und klingt leichter als die der Erwachsenen. Deswegen kommen sie, wenn sie oft genug singen, auch mühelos nach oben. Es klingt vielleicht lustig, wenn Ihr Kind einmal die tiefe, kräftige Stimme auf der CD nachahmt, wenn es aber zu häufig in dieser Lage singt, den massiven Stimmklang vielleicht noch in die Höhe drückt – und Kinder können das ziemlich gut –, kann es mit der Zeit zu Stimmschäden kommen. Hören Sie deshalb genau hin: Eine gesunde Kinderstimme klingt hell und klar.

Lied "Spannenlanger Hansel" anhören

Welche Lieder gibt es?

Darum ist das Wichtigste, dass Kinder locker, also ohne Druck singen. Frauen können eine für das Kind gesunde Lage direkt übernehmen, wie etwa in „Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“. Aber auch Männer sind dann gute Vorbilder, wenn sie ihre Stimme leicht und natürlich einsetzen. Das Kind orientiert sich an dem, was es von Ihnen vorwiegend hört: an der deutlichen Sprache, dem klaren Rhythmus oder der Melodielinie.

Dreijährige kennen Ihre Lieblingslieder sehr genau und wollen sie immer wieder hören. Und Quatsch- oder Unterhaltungslieder wie „Auf der Mauer, auf der Lauer“ bringen ihnen und den Erwachsenen Spaß und überfordern den verfügbaren Tonumfang des Kindes nicht. Mit diesen älteren "Klassikern" oder auch neueren Liedern wie denen von Rosin, Jöcker oder Zuckowski nehmen Dreijährige außerdem die Struktur von Musik auf: Sie lernen, dass Musik einen bestimmten Takt hat, eine bestimmte Melodie, einen Anfang und ein Ende.

Lied "Auf der Mauer, auf der Lauer" anhören

An den Liedern, die Ihr Kind kennt, die es teilweise oder vielleicht sogar schon ganz singen kann, merken Sie, welche Fortschritte es beim Singen macht und welches Repertoire es aufbaut. Und vielleicht erinnern Sie sich ja auch wieder an Ihre eigenen Lieblings-Kinderlieder.

 

 

Literaturhinweise:
Stimme(n). Kongressbericht 26. Bundesschulmusikwoche Würzburg 2006, hrsg. von Hans Bäßler und Ortwin Nimczik, Mainz 2008

Singen und Lernen (Kinder- und Jugendstimme, Band 1), hrsg. von Michael Fuchs
Berlin 2007

Stimmkulturen (Kinder- und Jugendstimme, Band 2) , hrsg. von Michael Fuchs
Berlin 2008

Maria Seeliger: Das Musikschiff. Kinder und Eltern erleben Musik
Würzburg 2003
 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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