Kind und Umwelt

Singen? Muss das sein?

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo Geburt

„Ich werde bestimmt nie singen!“ behauptete Kirsten Geimer früher von sich. Ihre Einstellung änderte sich erst, als die Tochter zur Welt kam. Heute ist Kirsten Geimer Übungsleiterin in einem Karlsruher Kindergarten und macht zu Musik von CD oder selbst gesungenen Liedern Bewegungsspiele und Turnübungen mit Drei- bis Fünfjährigen. Im Gespräch beschreibt sie, wie sie gegen alle Erwartungen doch (wieder) zum Singen kam.

Frau Geimer, haben Sie, bevor Ihre Tochter auf die Welt gekommen ist, ab und zu mal gesungen?

Nie. Ich habe nie gesungen, mir stattdessen immer gesagt “Um Gottes willen, wenn du eines Tages mal ein Kind hast, musst du womöglich singen!“ Denn so hat man mir das immer angekündigt. Und darauf habe ich dann geantwortet: „Ich bestimmt nicht“.

Wie ist es dazu gekommen, als Ihre Tochter da war?

Als meine Tochter acht Wochen alt war, ging ich mit ihr in Karlsruhe  in eine Krabbelgruppe. In dieser Krabbelgruppe wurden jedes Mal sechs, sieben Lieder zum Abschluss gesungen und Fingerspiele oder nette Sachen für die Massage gemacht: „Kleine Schnecke, kleine Schnecke krabbelt rauf, krabbelt rauf, krabbelt wieder runter, krabbelt wieder runter, kitzelt dir den Bauch“ (auf die Melodie von "Bruder Jakob" anhören). Dieses Ritual gab es bald auch bei uns zu Hause auf dem Wickeltisch. Sogar mein Mann hat es übernommen, weil er das sehr nett fand. Er hat zwar auch immer behauptet, dass er nie singen würde, aber mit dieser kleinen Schnecke ist das Singen zu uns in die Familie gekommen. Wir haben gemerkt, dass es unserer Tochter gut tut und dass sie Spaß daran hat.

War es eine Überwindung für Sie, als Sie das erste Mal gesungen haben? 

Ja. Aber zu Hause und allein mit dem Kind ist es einfacher. Es sind kurze Lieder, die wir im Alltag singen. Aber es geht ja darum, dass man überhaupt mal singt, dass man die Stimme anders einsetzt. Und da muss ich immer an Herbert Grönemeyer denken: Der erzählte, dass er in der Schule immer Probleme hatte, sich vernünftig zu artikulieren. Seine Stimme sei schlecht und er spreche zu schnell. Und wenn er singe, habe er Zeit, seine Sprache richtig einzusetzen.

Lied "Wir werden immer größer" anhören

Ihnen und Ihrem Mann hat das Singen also zunehmend Spaß gemacht. Wie hat Ihre Tochter denn auf das Singen reagiert?

Meine Mutter hat uns zu ihrem ersten Geburtstag ein Buch mit Kinderliedern geschenkt. Meine Tochter fing an, darin zu blättern und sagte „Sing mir das mal vor“. Da waren nette Bilder drin, zum Beispiel so eine kleine Prinzessin. Und dann habe ich eben "Dornröschen war ein schönes Kind"  anhören mit ihr gesungen und die Bewegungen dazu gemacht; das hat sie als schön empfunden. Auch später, mit zwei oder drei Jahren, kam sie immer wieder, „Können wir nochmal was daraus singen?“ Es sind Lieder, die ich noch aus meiner Kindheit kenne, wie „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ oder „Ein Männlein steht im Walde“. Das sind die typischen Kinderlieder aus unserer Kindheit. Heute kennen die Kinder aus dem Kindergarten oder vom CD-Hören zu Hause vor allem Detlev Jöcker, Henrik Vahle, Volker Rosin oder Rolf Zuckowski. Diese Lieder verwende ich gerne für das Kinderturnen.

Sie haben beschrieben, dass Ihrer Tochter das Singen und die Fingerspiele gut getan haben. Woran haben Sie das gemerkt? 

Sie war entspannt, und ich würde sagen, dadurch hat sie auch schnell sprechen gelernt. Sie hat oft mitgesungen, die Wörter sind beim Singen langsamer. Das Singen ist auch gut für die Sprachbildung. Angefangen haben wir mit ihr, als sie acht Wochen alt war. Jetzt ist sie sieben und fragt schon mal nach: „Ach, können wir nochmal die kleine Schnecke machen?“. Das gehört immer noch zu unserem Abendritual.

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

 

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo Geburt