Kind und Umwelt

Will selbst machen! Musik in der Gruppe

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 3 Jahre

Wenn es nach draußen geht, bleiben jüngere Kinder lieber noch in der Nähe der Eltern. Aber zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag werden sie allmählich selbständiger und erkunden ihre Umwelt gern allein. Die Musikschulen reagieren darauf: Bieten sie für Ein- und Zweijährige noch Eltern-Kind-Gruppen an, kommen die Dreijährigen schon allein in die Musikgruppe.

Die Musikschule der Landeshauptstadt Hannover zum Beispiel nennt ihr Angebot für die Kleinen „MiniMusik“. Viele der Dreijährigen bringen schon – je nachdem, was sie vorher bereits kennengelernt haben – einiges an musikalischen Fähigkeiten mit, erzählt Pädagogin Ulrike Gramann: Sie können zum Beispiel einfache Lieder singen und sich dazu mit Klanghölzern begleiten, oder sie bewegen sich zur Musik.

Überhaupt nehmen dreijährige Kinder Musik schon sehr bewusst wahr. Sie unterscheiden hohe von tiefen Tönen oder ein schnelles von einem langsamen Stück, berichtet Sabine Kleinau-Michaelis, die die Fachgruppe Elementare Musikerziehung an der Musikschule leitet. Außerdem erfinden die Kleinen spontan Singgeschichten über Dinge, die sie kennen – einen Apfel oder eine Raupe, aus der ein Schmetterling wird. Mit anderen Worten: die Kinder beginnen zu gestalten, sie setzen Gedanken und Empfindungen, die Musik in ihnen auslöst, aktiv um.

Lied " Der Kuckuck und der Esel" anhören

Natürlich können manche Kinder schon mehr Lieder und finden leichter den Zugang zur Musik als die anderen. Häufig sind es gerade die, bei denen zuhause besonders viel gesungen und Musik gemacht wird. Auch in Verhalten und Vorlieben unterscheiden sich die Kleinen: Das eine singt und musiziert sofort gemeinsam mit den anderen, das andere hält sich in der Gruppe völlig zurück – und singt dann zuhause alle Lieder. Manche Kinder lieben es, wenn ihnen Musik vorgespielt wird, andere spielen besonders gut Rhythmen nach oder erfinden sie selbst, erzählt Ulrike Gramann. Aber eins hat sie noch nie beobachtet: dass ein Kind überhaupt nichts mit Musik anfangen kann oder will.

Lied "Dornröschen war ein schönes Kind" anhören

Das Ziel: Musik für alle

Nur kommen eben längst nicht alle Kinder in die Musikschule oder eine ihrer Gruppen, die sie außer Haus anbietet. Deshalb geht die Musikschule Hannover mit ihrem musikalischen Angebot in Kindergärten und Kitas – und stößt dort auf offene Ohren: „Erzieherinnen, Kitas und Eltern nehmen das dankbar an“, fasst Sabine Kleinau-Michaelis die Reaktionen zusammen. In diesen Kitas wird häufiger und bewusster gesungen als davor – keine Selbstverständlichkeit, denn die Ausbildung der Erzieherinnen (Erzieher sind selten) lässt in Sachen Musik und Rhythmik oft zu wünschen übrig. „Man kann es schaffen, durch eine Erzieherausbildung zu gehen, ohne in fünf Jahren einen einzigen Ton gesungen zu haben. Das ist ein großes Problem für die Kitas und nachher für die Grundschulen.“

Lied "Auf unsrere Wiese gehet was" anhören

Kein Wunder, denn Singen und Musizieren sind wertvoll für die Kinder. Sie regen nicht nur deren Vorstellungs- und Gestaltungskraft an, sie können auch aus einer Gruppe ganz selbstverständlich eine Gemeinschaft formen: Wenn eine Geschichte mit Geräuschen und Instrumenten begleitet wird, wissen schon Dreijährige durch Erfahrung, wann sie den anderen zuhören sollen und wann sie selbst an der Reihe sind – je nachdem, ob sie etwa die Bienen summen, den Wind pfeifen oder den Regen prasseln lassen.
Und wenn alle gemeinsam anfangen zu singen, atmen auch alle gemeinsam ein. Nicht zuletzt ist es ihre verbindende Kraft, die Musik schon für Kleinkinder so wichtig macht. Und Eltern können sehr zum Musikschatz ihrer Kinder beitragen, wenn sie sich nicht nur auf Musikschule oder Kita verlassen, sondern auch selbst mit ihren Kindern singen.

 

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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