Kind und Umwelt

Der Alltag nach der Geburt

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 2 Monate

Nur Weniges verändert das Leben eines Paares so drastisch wie die Geburt eines Kindes. Und gerade die erste Zeit, in der sich alles ums Wickeln, Stillen und Schlafen oder eben Nicht-Schlafen zu drehen scheint, kann zu einer großen Belastung werden. Singen kann Eltern helfen, diese Situation zu bewältigen.

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Anke und Peter Ostrowski* haben sich vor der Geburt ihres ersten Kindes schon darauf eingestellt, dass sich ihr Leben ändern wird. Anstrengend, aber schön wird es sein, so die vorsichtig optimistische Erwartung des Paares. Aber die ersten Monate laufen bei aller Freude über die neugeborene Tochter zäh: Das Baby braucht vergleichsweise wenig Schlaf, und es trinkt nur aus der Flasche (s.a. Interview).

Für die Ostrowskis heißt das: Jede Nacht mehrmals aufstehen, das Fläschchen zubereiten, das Kind füttern, beruhigen und wieder hinlegen.
Besonders der ständige Schlafmangel über Monate hinweg nimmt die beiden mit, denn kaum sind Vater oder Mutter eingeschlafen, meldet sich die Tochter wieder. Außerdem muss Peter Ostrowski gerade in dieser Phase unter Zeitdruck arbeiten und viel reisen, sodass die nächtlichen Einsätze oft seiner Frau überlassen bleiben.

Lied "Wer hat die schönsten Schäfchen" anhören
 

Stressabbau durch Reden und Singen

Wie den beiden geht es vielen anderen Eltern. Denn das Schlafbedürfnis und das Einfinden in einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus ist von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Manche Kinder schlafen bereits vier Wochen nach der Geburt sechs bis acht Stunden durch, andere brauchen dafür bis ins Kleinkindalter.

Wie können Eltern diese Zeit durchstehen? Die Ostrowskis helfen sich, indem sie sooft wie möglich über die Situation sprechen: „Das war für uns das Wichtigste, wenn beide sehr angestrengt waren. Damit wir uns nicht gegenseitig verlieren und den guten Kontakt zu den Kindern halten, müssen wir viel miteinander reden. Das tun wir auch heute noch“, schildert Anke Ostrowski rückblickend die Situation.

Lied "Der Mond ist aufgegangen" anhören

Ein anderes Mittel ist das Vorsingen. Tagsüber lässt sich die kleine Tochter damit beruhigen. Aber nachts fällt es dem übermüdeten Kind schwer, nach dem Trinken wieder in den Schlaf zurückzufinden, und es schreit manchmal über eine Stunde lang. Anke und Peter Ostrowski singen ihrer Tochter dann trotzdem Wiegenlieder wie "Der Mond ist aufgegangen" oder "Weißt du, wie viel Sternlein stehen" vor, weil das Singen sie selbst entspannt.

Der Vater dichtet gelegentlich auch: „Manchmal habe ich einfach Texte erfunden, in denen ich die Situation erklärt oder meine Gefühle geschildert habe. Man merkt, wie müde man nach einem anstrengenden Tag ist, und möchte auch einmal eine Ruhephase haben. Dann will das Kind aber nicht einschlafen, und man wird in einem gewissen Sinne ärgerlich oder entwickelt eine gewisse Aggression. Durch dieses Singen kommt man wieder in dieses Verständnis zurück und in die Ruhe, die man braucht und die sich dem Kind vermittelt.“

Lied "Weißt du, wie viel Sternlein stehen" anhören
 

Singen beruhigt

Mittlerweile ist die Tochter dreieinhalb Jahre alt, der Sohn ein Jahr. Der Tagesablauf mit den Kindern hat sich eingespielt, und auch das allabendliche Singritual ist geblieben. So hat sich beiden Kindern die Verbindung von Zuwendung und Singen, Ruhebedürfnis und Schlafliedern eingeprägt.

Lied "O hush thee, my baby" anhören

Die große Schwester singt inzwischen nicht nur ihrem Bruder Lieder vor, sie bringt sich mit dem Singen auch selbst zur Ruhe, erzählt Anke Ostrowski: „Wenn sie Situationen erlebt, in denen sie sich unwohl, fremd oder überfordert fühlt, dann singt sie sich leise etwas vor, schaut aus dem Fenster oder singt ihren Puppen selbst erfundene Lieder mit selbst erfundenen Texten vor. Ich habe oft das Gefühl, sie findet so wieder zu ihrer Mitte.“
*Namen geändert

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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