Entwicklung

Die 2. Lallphase:
Emotionen erwünscht!

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 6 Monate

Freude oder Ärger – Ihr Baby sollte mitbekommen, was Sie fühlen. Von Anfang an. Trauen Sie sich, Emotionen beim Sprechen oder Singen mitzuteilen! Tun Sie es so oft wie möglich. Denn das Sprachgefühl Ihres Kindes entwickelt sich durch Zuhören, Nachmachen, Ausprobieren. Ohne die Erfahrung einer glücklichen oder traurigen Intonation kann es die Unterschiede nicht lernen und darum ohne vielfältige Ansprache seine Stimme und Sprache auch nicht entwickeln.

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Zum Erlernen der Muttersprache brauchen Babys Ansprache. Je variantenreicher die Eltern mit ihnen sprechen oder singen, desto größer die Anregung. Die Wissenschaft unterscheidet zwei Phasen beim Spracherwerb im ersten Lebensjahr: Anfangs geben Babys nur Laute von sich, die überall auf der Welt fast gleich sind. Prof. Dr. med. Michael Fuchs vom Universitätsklinikum Leipzig nennt das „internationales Lallen“, ein Lallen, das sich sogar im Chinesischen und Deutschen ähnelt.

Beim Übergang in die zweite Lallphase, mit etwa sechs Monaten, beginnt das Kind, Lautverbindungen zu formen, die typisch für die eigene Muttersprache sind. Zuerst werden Konsonanten ausprobiert, die mit den Lippen, Zähnen, der Zungenspitze erzeugbar sind (Lippenlaute wie „b“, oder Verschlusslaute wie „p“). Kompliziertere Zisch- oder Rachenlaute kommen erst später dazu. Typisch für diese Phase ist außerdem: Babys beginnen, Laute zu wiederholen („ba, ba, ba“) statt nur zu schreien oder zu quietschen – allerdings noch ohne Sinnzusammenhang.

Lied "Hopp, hopp, hopp" anhören

Fröhlich oder traurig? Beides

Jede Sprache hat ihre eigene Melodie. Auch das entdecken Kinder in den beiden Lallphasen. Sie nehmen Tonhöhe, Tondauer und Lautstärke ihrer Muttersprache wahr und probieren sie aus.
Regen Sie Ihr Kind an, seine Stimme möglichst oft und vielfältig zu benutzen. Das ist, laut Prof. Dr. Fuchs, „die allerwichtigste Komponente, um Stimme und Sprache zu erwerben“. Denn erst durch das Probieren der Stimme - schon in den ersten Lebensmonaten – können die Stimmlippen wachsen. Winzige Messfühler stimulieren deren Entwicklung im Kehlkopf. Eltern haben hier eine wichtige Vorbildfunktion: Je variantenreicher sie mit ihrem Baby sprechen oder singen, desto mehr regen sie es zum Nachahmen und damit zum Schulen seiner Stimmvielfalt an.

Lied "Kindlein mein" anhören

In der zweiten Hälfte des 1. Lebensjahres beginnt Ihr Kind zudem, auf Sie zu reagieren, mit Ihnen in Kontakt zu treten. Sie dürfen und sollten Ihre Emotionen zeigen, auch die negativen. Nur so kann ein Baby die Unterschiede in Sprache und Stimme erfahren, nur kann es so lernen, wie es klingt, wenn jemand traurig oder fröhlich ist.

Musik kann diesen Lernprozess enorm unterstützen und dabei spielerisch unterschiedlichste Gefühle vermitteln: Ein gesummtes Lied aus dem Radio, das gesungene Wiegen- oder Kinderlied, eigenes Musizieren. Je mehr Varianten, desto besser. Und keine Sorge: Es geht nicht um Perfektion. Singen, summen, sprechen Sie mit Ihrem Baby! Es braucht Ihre Ansprache und Ihre Emotion.

Michael Fuchs ist Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Dort veranstaltet er seit 2002 das Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme.

 

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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