Kind und Umwelt

Die Elternzeit vor der Geburt

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 5./6. Schwangerschaftsmonat

Wann soll mein Kind zu Welt kommen? Wie und wo bekomme ich mein Kind? Wer bleibt in der Zeit nach der Geburt zu Hause? Nicht nur unser Bild von Müttern, Eltern und Familien hat sich den letzten Jahrzehnten stark geändert. Selbst scheinbar unveränderliche Gegebenheiten wie Schwangerschaft und Geburt sind von Trends geprägt.

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Die Hebamme Barbara Schmid beschreibt es so: „Die Frauen, die heute Kinder bekommen, haben eine ganz andere Jugend hinter sich, als ich sie noch erlebt habe.“ Barbara Schmid hat selbst eine Tochter im Teenageralter, aber seit der Geburt ihres Kindes fallen ihr viele Veränderungen auf, etwa der Ausbau der Kinderbetreuung oder die zunehmende Akzeptanz von Kindererziehung bei gleichzeitiger Berufstätigkeit. Eine positive Entwicklung sieht sie darin, dass Erziehungsaufgaben auch stärker von Vätern wahrgenommen werden und viele Mütter ihre berufliche Laufbahn im Blick behalten.

Lied "Wenn ich ein Vöglein wär" anhören

Doch der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel bringt es auch mit sich, dass werdende Eltern ihr Leben zunehmend durchplanen wollen und teilweise auch müssen. Auch die Schwangerschaft, die Kindsgeburt und die Zeit danach. „Und das ist schwierig, weil das Kind auf die Welt kommt und von all diesen Plänen nichts weiß. Es kann sein, dass Kinder die Pläne der Eltern über den Haufen werfen.“

Die Erwartungen sind groß

Abgesehen davon spürt Barbara Schmid bei vielen künftigen Eltern einen starken Erfolgsdruck. Häufig wird sie von werdenden Müttern gefragt, wie das Kind bereits in der Schwangerschaft gefördert werden kann, damit es später einmal möglichst gute Voraussetzungen hat.

Lied "Spi, ditja mojo, usni" (Russland) anhören

Denn wer will schon hinter den aktuellen wissenschaftlichen und pädagogischen Erkenntnissen über die vorgeburtliche und frühkindliche Entwicklung zurückbleiben? Selbst die Geburt erscheint durch die genaueren medizinischen und technischen Kenntnisse berechenbarer. Viele Eltern planen den geeigneten Zeitpunkt für die Zeugung ihres Kindes oder die Geburt auf den Tag genau.

Ruhig bleiben, rät Barbara Schmid. Eltern und besonders Mütter sollten das Thema Schwangerschaft, pränatale Förderung und Geburt entspannter angehen und sich auch nicht auf Wunschtermine festlegen.
Es sei neben den Vorsorgeuntersuchungen ausreichend, auf das eigene Wohlbefinden zu achten, etwa statt einer gezielten Beschallung des ungeborenen Kindes mit Fremdsprachen die eigene Lieblingsmusik zu hören und ansonsten auf Auffälligkeiten im Schwangerschaftsverlauf zu achten.

Lied "Laurentia" anhören

Mit Ruhe herangehen

So ist es einerseits nie zu früh, den ersten Kontakt zu einer Hebamme zu suchen oder sich über Geburtskliniken zu informieren. Ab etwa der Hälfte der Schwangerschaft eignen sich auch Schwangerschaftskurse – etwa ein Bauchtanzkurs –, um Tipps zu sammeln und auszutauschen. Anderseits soll die Suche nach einem geeigneten Krankenhaus nicht in Tourismus ausarten. Es reiche, sich zwei bis drei Kliniken anzusehen und sich dafür Zeit zu nehmen, so Barbara Schmid.

Lied "Jimba, jimba" anhören

Und zuallererst sollen werdende Mütter auf ihre eigenen Bedürfnisse achten, auch die musikalischen. „Wenn mir Mozart gefällt, dann höre ich seine Musik täglich. Wenn es mir nach Singen und Tanzen zumute ist, dann schadet das dem Kind auch nicht. Das Kind ist dann die nächsten zwanzig Jahre dran.“
 

Barbara Schmid ist Lehrerin für Hebammenwesen am Evangelischen Zentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart (ebz) und arbeitet selbst als Hebamme.

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 5./6. Schwangerschaftsmonat