Entwicklung

Hören - zuhören - imitieren

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 3 Monate

Die ersten paar Wochen hat Ihr Kind ausschließlich geschrien, wenn es etwas brauchte oder sich unwohl fühlte. Doch allmählich gibt es auch andere Laute von sich: vielleicht gurrt oder kräht es Sie an oder brabbelt vor sich hin, wenn es auf der Decke liegt. Wenn Sie es auf dem Arm halten, mit ihm sprechen oder ihm etwas vorsingen, schaut es Sie aufmerksam an – bis es ihm zu viel wird und es den Kopf wegdreht.

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Ihr Kind verfeinert von Anfang seine stimmlich-sprachlichen Fähigkeiten und sein Gehör. Schon mit etwa drei Monaten kann es etwa wahrnehmen, woher ein Geräusch oder eine Stimme kommt – eine komplexe Aufgabe für das kindliche Hörsystem, für die das Nervensystem schon einigermaßen ausgereift sein muss.

Lied "Summ, summ, summ" anhören

So braucht jedes Kind auch unterschiedlich lange, bis es das Richtungshören beherrscht, erklärt der Neurologe und Musiker Eckart Altenmüller: „Das ist eine ziemlich komplizierte Sache. Denn das Hörsystem – Sinneszellen, Nerven und die entsprechenden Bereiche im Gehirn – muss beim Richtungshören wahrnehmen, wie schnell der Schall auf das linke und auf das rechte Ohr trifft. Dieser Zeitunterschied zwischen dem linken und rechten Ohr beträgt nur wenige zehntausendstel Sekunden, also Mikrosekunden.“ Kinder suchen und fixieren in dieser frühen Phase eine Schallquelle – Ihren Mund, die Rassel oder den Staubsauger – daher auch noch mit den Augen.

Lied "Brüderchen, komm tanz mit mir" anhören

Machen Sie selbst einmal den Test, ob Ihr Kind schon hören kann, woher ein Geräusch kommt: Klatschen Sie in die Hände, wenn es gerade nicht hersieht. Wendet es den Blick zu Ihnen? Wenn ja, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, machen Sie sich keine Sorgen: Vielleicht braucht Ihr Kind einfach keine weiteren Reize und ignoriert das Geräusch einfach. Nur so kann es etwa in lauter Umgebung schlafen. Und wenn nach dem Zuhören seine noch kurze Aufmerksamkeitsspanne ausgereizt ist, wendet das Kind die Augen oder den Kopf wieder vom Geräusch ab.

Experimente mit der Stimme

Sie kennen mittlerweile die verschiedenen Stimmungslagen und Bedürfnisse Ihres Kindes und wissen, dass es je nachdem unterschiedlich schreit. Aber es hat auch schon angefangen, kurze Laute zu von sich zu geben, zu lachen oder zu quietschen. Alle Säuglinge trainieren so ihre Stimme in den ersten Lebensmonaten, unabhängig davon, mit welcher Sprache sie aufwachsen und ob sie sich selbst hören können oder nicht.

Aber sie versuchen in diesem Alter gelegentlich auch schon, über die Stimme Kontakt mit Mutter, Vater oder anderen herzustellen, erklärt Eckart Altenmüller: „Sie versuchen das, was sie hören, nachzuahmen.“ Dabei hilft Säuglingen die so genannte Ammensprache sehr: langsames Sprechtempo, gedehnte Laute, viele Vokale.

Gehen Sie also mit der Ammensprache und kleinen Geschichten, Versen oder einfachen Liedern auf das Hör- und Sprachvermögen Ihres Kindes ein – was Sie erzählen oder singen, versteht Ihr Kind ohnehin noch nicht, aber es hört genau, wie Ihre Stimme dabei klingt!

Lied "Häschen in der Grube" anhören

So kann Ihr Kind kann seine stimmlichen Fähigkeiten in den nächsten Monaten immer weiter ausbauen. Unbewusst lernt es dabei, wie sein Stimmapparat aus Lungen, Stimmbändern, Zunge und Lippen funktioniert. Und das ist nicht nur für Ihr Kind, sondern auch für Sie selbst anstrengend, aber auch spannend.
 

Eckart Altenmüller erforscht die Auswirkungen von Musik auf das Gehirn. An der Staatlichen Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover leitet er das Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin.

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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