Kind und Umwelt

Singen geht immer - vorsprachliche Kommunikation

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 1 Monat

Kindheitserinnerungen können den Umgang mit dem eigenen Nachwuchs entscheidend prägen. Andrea Börne* etwa trällerte vor der Geburt ihres ersten Kindes höchstens mal einen Song im Radio mit. Aber als ihre Tochter geboren war, griff die junge Mutter schnell auf Lieder aus ihrer eigenen Kindheit zurück.

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Frau Börne, wurde bei Ihnen daheim gesungen?
Meine Mutter hat sehr viel mit meiner Schwester und mir gesungen, mein Vater dagegen praktisch gar nicht. Unsere Mutter singt sehr gern, auch im Chor, und entsprechend hat sie das bei uns gefördert. Sie hat mit uns die Kinderlieder, die sie kannte, von A bis Z durchgenommen. Wir haben häufig Kanons gesungen, auch noch der Grundschulzeit. Später ist das abgeebbt.

Wie kamen Sie zum Singen, als Ihre Tochter auf der Welt war?
Man merkt irgendwann, dass es im Umgang mit dem Baby nötig und sinnvoll ist, zu singen. Man kann mit Summen anfangen, und dann fallen einem auch nach und nach die Texte wieder ein, oder man liest sie nach.

Wenn das Baby weint, kann man es auf dem Arm herumtragen. Aber man möchte ja möglichst viel tun, damit es wieder ruhig wird, und dann kommt man von selbst auf das Summen oder Singen. Ich hatte damals das Gefühl, aktiv zu sein.

Und was haben Sie gesungen?
Ich habe mit Schlafliedern angefangen. An die habe ich mich auch vom Text her noch am besten erinnert: „Guten Abend, gute Nacht“, „Schlaf, Kindchen, schlaf“, „Der Mond ist aufgegangen“, das waren so die Klassiker.

Lied "Guten Abend, gut Nacht" anhören

Hat Ihre Tochter irgendwann einmal auch versucht mitzusingen?
Als Baby hat sie sich vom Gesang beruhigen lassen, denn das war etwas Wiederkehrendes, das sie schon kannte. Und später hat sie, bevor sie angefangen hat zu sprechen, schon gesungen. Natürlich nicht mit Worten, aber sie hat versucht mitzusingen, das fand ich sehr schön.
Das waren nicht nur Töne, sondern das war eine Melodie, die dabei herauskam, so dass mein Mann und ich erkennen konnten, was es sein sollte. Sie hat relativ spät angefangen zu sprechen, mit zwei Jahren. Davor konnte sie aber schon singen und summen.
 

Was wurden im Lauf der Zeit Ihre Lieblingslieder und -melodien?
Ich bevorzuge nach wie vor die Schlaflieder, daneben mag ich auch traditionelle Lieder wie „Hänschen klein“ oder den „Bi-Ba-Butzemann“.

Lied "Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann" anhören

Das war so das erste, womit ich mich über die Schlaflieder hinaus angefreundet habe. Und mit der Zeit kommt man, wenn man in Spielkreisen oder Krabbelgruppen unterwegs ist, gar nicht umhin, auch neue Lieder kennen zu lernen. Da gibt es ein paar nette, und andere fand ich ganz schrecklich. Aber das ist auch eine Geschmackssache und eine Frage der Präsentation. Bei den neueren Liedern hatte ich Schwierigkeiten mit manchen Texten. Ich will nicht sagen, dass sie mir zu dumm waren. Aber ich fand sie beim Mitsingen schon schwer erträglich.

Singen Sie mit Ihrer dreijährigen Tochter auch heute noch?
Es hat sich gesteigert, gerade auch, als wir in den Spielkreisen angefangen haben, viel zu singen. Ich habe mir auch Liederbücher gekauft. Meine Tochter singt von sich aus und möchte, dass ich mitsinge. Eine Zeitlang durfte man nicht mitsingen, aber inzwischen möchte sie das gerne hören. Im Kindergarten ist sie jetzt auch in der Musikerziehung, daran hat sie Spaß.

Und singt der Vater auch mit?
Der singt natürlich auch mit, er ist musikalischer als ich. Mein Mann hat schon Lieder komponiert mit eigenen Texten, die hat sie dann auch nachgesungen.

Sie erwarten derzeit Ihr zweites Kind. Wenn Sie heute zurückblicken: Welche Erfahrungen haben sie mit dem Singen gemacht?
Es ist eine frühe Form der Kommunikation, und bevor man mit der Sprache weiterkommt, geht es besser mit Melodien. Und wenn sich das Sprachverständnis entwickelt, geht man noch mal einen Schritt weiter. Neben körperlicher Berührung sind Singen und Sprechen einfach wichtig im Umgang mit dem Kind.

*Name geändert

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von LIEDERPROJEKT.ORG, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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