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Singen mit anderen

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 3 Jahre

Kinder ab etwa drei Jahren kommen immer häufiger mit anderen Kindern zusammen. Vieles lernen sie z. B. im Kindergarten: Dort sammeln sie vielfältige Eindrücke von gemeinschaftlichem Tun, von Regeln und Routinen.

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Wenn Dreijährige gemeinsam in einer Gruppe singen, imitieren sie spontan erst einmal die Erwachsenen, aber auch die anderen Kinder. Wenn im Lied oder Spiel alle Kinder mit Namen angesprochen werden, warten sie gebannt darauf, wann sie an der Reihe sind, und freuen (oder schämen) sich, wenn sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Lieder mit Bewegungsanregungen finden die Kinder besonders reizvoll.

Lied „Wer will fleißige Handwerker sehn“ anhören

Kinder in diesem Alter beginnen mit Rollenspiel. Sie füttern die Puppen, sie lassen Gegenstände als Flugzeuge herumfliegen. Diese Freude an der eigenen Phantasie lässt sich auch in Liedern hervorragend aufgreifen. Tiere sind begehrte Ideengeber für Bewegungsspiele: Da lassen sich punktierte Rhythmen über die galoppierenden Pferde erleben, da kriechen listige Schlangen mit dichten, gebundenen Tonketten, da flattern kleine bewegliche Vögel mit hohen, schnellen Tönen und schleichen gefährliche Tiger leise und geheimnisvoll-drohend. Über die bildliche Vorstellung erleben Kinder unterschiedliche Ausdrucksqualitäten in der Musik. Ganz selbstverständlich verbinden sie Höreindrücke und Bewegungsformen.

Lied „Hopp, hopp, hopp“ anhören

Kinder reagieren bei solchen Bewegungsliedern sehr unterschiedlich, manche preschen mit eigenen Ideen voran und haben keine Lust, auf andere zu warten. Andere Kinder sind zurückhaltend und beobachten lieber, bevor sie selbst in Aktion treten. Manche schließen sich den Ideen anderer an, andere wieder bleiben in einer beobachtenden Position. Alle Formen der Beteiligung sind gleichermaßen wertvoll. Auch aus passiver Beteiligung am musikalischen Geschehen entsteht ein innerer Liedschatz, eine musikalische Erfahrung. Sehr häufig berichten Eltern von Kindern, die in der Gruppensituation ganz unbeteiligt und manchmal sogar abwehrend wirken: Zu Hause singen sie die gehörten Lieder und freuen sich auf die nächste Musik-Zeit.

Kinder singen in diesem Alter selten ganze Lieder fehlerfrei allein. Meist singen sie Zeilenenden mit, kennen die Reimworte oder ergänzen die Geräusche. Es ist also sinnvoll, dass Eltern, Erzieherinnen und Erzieher den Kindern ein Beispiel geben von unbefangenem Umgang mit Stimme und Bewegung.
Eltern sollten beim gemeinsamen Singen und Tanzen im Kindergarten, im Turnverein oder in der Musikschule nicht unbeteiligt am Rand stehen, sondern den Kindern ein aktives Vorbild sein: Jeder Mensch kann sich mit seinen individuellen Fähigkeiten einbringen. Jeder Körper sieht dabei anders aus, jede Stimme ist charakteristisch für eine Person – und das ist gut so! Singen und Bewegen macht Spaß und motiviert zum Wiederholen. Jegliches Lernen geschieht nachweislich besser in positiver Atmosphäre und mit emotionaler Beteiligung.

Lied „Heut ist ein Fest bei den Fröschen am See“ anhören

Leider ist die vorherrschende Meinung, dass fröhliche Kinder auch laut sein müssen. Bilder aus der Werbung vermitteln dies tagtäglich, aber auch in Kinderkonzerten, im Kindertheater, im Zirkus oder Kasperletheater werden die Kinder sehr oft dazu animiert, möglichst stimmkräftig ihre Anwesenheit hinaus zu brüllen. Ein dauerhaft übermäßig lauter Stimmeinsatz überfordert jedoch die Kinderstimme.
Eine stets heisere Stimme mit geringem Tonumfang kann eine Folge sein. Und mit dieser kranken Stimme werden Kinder wiederum von ihrer Umwelt im Umkehrschluss als laut, wild und grenzüberschreitend eingestuft. Sie selbst präsentieren sich mit dieser kaputten Stimme auch ungern. Wir sollten frühzeitig Sorge tragen, dass die Kinderstimmen sich gesund und farbenfroh entwickeln können.
Silja Stegemeier

 

Silja Stegemeier ist künstlerische Mitarbeiterin am Institut für Musik der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, Lehrerin für musikalische Früherziehung an der Musikschule Hannover und Mitautorin des Lehrwerks für Chorklassen an Grundschulen in Niedersachsen.

 

Weiterführende Literatur:

Berger, Greiner, Pfaff u.a.: Spiel und Klang. Die Musikalische Früherziehung mit dem Murmel. Lehrerband. Kassel 2004 (3. Auflage)

Stadler Elmer, Stefanie: Spiel und Nachahmung – Über die Entwicklung der elementaren musikalischen Fähigkeiten.  HBS Nepomuk 2000.

Beushausen, Ulla: Sprechängste im Rahmen kindlicher Stimmstörungen.
In: Fuchs, Michael (Hg): Stimme Persönlichkeit Psyche. Kinder-und Jugendstimme Bd 5. Berlin, 2011

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

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