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Singen und Musizieren
in der Kita

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 2 Jahre

Im Alter von zwei Jahren sprechen manche Kinder noch ihre ersten Worte und singen die ersten Töne, andere bilden schon kurze Sätze oder singen einfache Melodien. Kehlkopf und Stimmbänder entwickeln sich bei Kindern eben unterschiedlich und wachsen auch nicht gleichförmig. Was also können Erzieherinnen in Krippen und Kindertagesstätten – und natürlich Eltern – über die stimmlichen Möglichkeiten der Kinder in diesem Alter wissen?

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Der zweite Geburtstag ist eine Art Übergangszeit zwischen Säuglingsphase und späterem Kleinkindalter: „Ab dem zweiten Lebensjahr verfeinern sich die musikalischen Wahrnehmungsfähigkeiten: Das betrifft die Zuordnung von Klang zum Instrument und die Wiedergabe einfacher Melodien, einfacher Rhythmen“ – so erklärt es Professor Lars Oberhaus von der Universität Oldenburg.

In diesem Alter kennen Kinder noch keinen durchgängigen Takt oder eine bestimmte Tonart. Ihr Stimmumfang ist noch nicht groß, er reicht für Lieder wie etwa "Summ, summ, summ". Anhören

Und ob sie mit zwei Jahren Melodien singen können oder nicht, hängt auch davon ab, wie viel musikalische Erfahrungen sie bis dahin gesammelt haben: Sprechen und Singen mit den Kindern fördern ihre Stimm- und Sprachentwicklung, Fingerspiele und Kniereiter ihre Bewegungsfähigkeit und Feinmotorik, unabhängig von der persönlichen Entwicklungsgeschwindigkeit jedes Kindes.

Kinder abholen, wo sie stehen

Mit zwei Jahren zeigen Kleinkinder also aus verschiedenen Gründen sehr unterschiedliche Fähigkeiten in Sachen Stimme, Sprachentwicklung und Motorik. Wie können Erzieherinnen in Krippen und Kitas damit umgehen?

Fürs Musikmachen mit Zweijährigen eignen sich einfache Lieder und Verse, am besten zusammen mit Bewegung: Klatschen, rhythmische Schritte oder auch Kniereiter. Die gemeinsamen Lieder und Musikspiele bieten den Kindern Zuwendung, Stimm- und Bewegungstraining und Unterhaltung in einem. Wichtig ist vor allem, dass Erzieherinnen – zuhause die Eltern – so singen oder sprechen, dass die Kinder sie möglichst leicht nachahmen können.

Viele Eltern machen das schon ganz instinktiv so: Sie hören immer wieder hin, ob ihr Kind die Melodie oder Verszeile auch nachsprechen oder -singen kann, und wiederholen sie bei Bedarf. Aber die Sorge, nicht singen zu können oder peinlich zu wirken, hält manche Eltern auch vom Singen ab. Hier können Eltern-Kind-Gruppen oder das Mitsingen in der Kita Hemmschwellen abbauen und helfen, mit der eigenen Stimme umzugehen. Nach den Jahren in Krippe und Kita wird die musikalische Mitwirkung der Eltern deutlich spürbar.

Wichtig ist auch, zu hören, ob die Stimme des Kindes gesund oder möglicherweise heiser klingt, erklärt Birgit Wendt-Thorne, Kollegin von Lars Oberhaus an der Universität Oldenburg: „Eine gesunde Kinderstimme sollte frei von Rauigkeit sein. Solche Phasen gibt es natürlich auch innerhalb einer Stimmentwicklung, aber es darf nicht zur Dauerbelastung werden“. Außerdem sei die Kinderstimme leichter und heller als die Erwachsenenstimme. Deswegen ist das Nachsingen für die Kleinen einfacher, wenn Eltern und Erzieherinnen ihnen ab und zu auch in der hohen Kinderlage vorsingen.

Keine Zeit für Musik in der Kita?

Selbstverständlich ist das Wissen um Stimme und Singen schon lange nicht mehr. In Kindertagesstätten und Krippen gibt es musikalisch gut ausgebildete Erzieherinnen – Erzieher sind die Ausnahme –, aber auch viele, die keine musikalische Erfahrung oder Ausbildung haben.

Ohne dieses Hintergrundwissen fehlt vielen Erzieherinnen der Mut, Kindern die musikalischen Klassiker beizubringen: Tänzchen, Reigen, Fingerspiele oder Lieder. Und sie müssen oft auch anderes leisten, etwa die Kinder an den Toilettengang gewöhnen oder ihnen den Umgang mit Messer und Gabel beibringen. Aber selbst hier können Lieder oder Wickelspiele helfen. Dabei brauchen Zweijährige altersgerechte Lieder mit einfachen Strukturen und Melodien wie zum Beispiel "Backe, backe, Kuchen". Anhören

Singen, Tanzen und die Musikspiele machen Kinder nicht zwangsläufig intelligenter oder sozialer. Aber sie bringen in jedem Fall außer dem gemeinsamen Spaß und der Freude ein engeres Verhältnis zu Musik und Musikkultur. Birgit Wendt-Thorne sagt es so: „Es geht ja bei der Musik auch um Bindungen, und nicht nur um personelle Bindungen, sondern auch Bindungen an die Musik, an die Sache. Musik schafft Beziehung und schafft Verbindung.“

 

Lars Oberhaus lehrt als Professor für Musikpädagogik am Institut für Musik der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Birgit Wendt-Thorne lehrt als Dozentin für Vokale Ausbildung an der Universität Oldenburg und veranstaltet musikalische Fortbildungen u. a. an Kindertageseinrichtungen.

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

 

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