Kind und Umwelt

"So sieht die Trompete aus" - Vorbereitung auf den Musikunterricht

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 5 Jahre

Singen und Klatschen, Glockenspiel und Notenlesen: Es gibt viele Konzepte und Unterrichtswerke für die musikalische Früherziehung. Musikschulen bieten oft mehrjährige Kurse an. In ihnen sollen Kinder nicht nur spielerisch musikalische Kenntnisse erwerben, sondern auch Lust auf späteren Instrumental- oder Gesangsunterricht bekommen.

Send mail

„Bunte Blätter fall’n vom Baum, schweben sacht, man hört es kaum“. Mit solchen und anderen Versen regt etwa Edith Penz Phantasie und Motorik ihrer Vorschulkinder an. Seit 1999 unterrichtet die Pädagogin für Musikalische Früherziehung an der Stadtjugendmusik- und Kunstschule Winnenden.

Im Mittelpunkt ihres rhythmisch-musikalischen Zweijahresprogramms für Vier- bis Sechsjährige steht die Koordination von Sprache, Musik und Bewegung. Edith Penz hat ihr Programm nach Jahreszeiten- und Themenblöcken angeordnet, mit Liedern und Geschichten, die Bilder im Kopf der Kinder entstehen lassen. Im „Herbst“ bläst der Wind, bei der „Schiffsreise“ wird ein Segelschiff gesteuert, im „Frühling“ klopft der Specht. Die Kinder singen und ahmen Geräusche nach, stellen Geschichten mit Körper und Händen dar oder spielen beim Spruch „Die Maus putzt ihr Haus“ mit ihrer Zunge. Am Schluss werden meistens noch Bilder oder Noten gemalt.

Lied "Ein Schneider fing ne Maus" anhören

Musik, Spiel und Tanz vermitteln Bodenhaftung

Die vier- oder fünfjährigen Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Kenntnissen zu Edith Penz oder einer ihrer Kolleginnen, je nachdem, was sie schon von daheim kennen. Wichtig sei deshalb, sie in den 75 Minuten pro Kurs ihrem persönlichen Vermögen entsprechend zu beschäftigen: „Viele Kinder sagen am Schluss ‚Was, schon vorbei?’. Sie sind eingetaucht, und dann ist das überhaupt keine lange Zeit, und dann ist auch nichts langweilig oder anstrengend.“

Lied "Jetzt fahrn wir über'n See" anhören

Auch die Eltern bindet die Musikpädagogin in die Kurse ein: Nach jedem Unterricht gibt es eine kleine Aufführung der Kinder vor den Eltern, in der etwa ein Lied, ein Tanz oder ein Vers aus der Stunde vorgestellt werden. Begleitende Musikhefte enthalten das Kursprogramm für die Eltern und kleine Sing-, Spiel- oder Bastelhausaufgaben für die Kinder. Und zusätzlich zu den Liednoten in den Heften können die Eltern auch CDs zum Mitsingen bekommen.

Denn es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Erwachsene mit Kindern singen und musizieren. Edith Penz fällt auf, dass manche Kinder nicht mehr spontan mitsingen, sondern erst dazu motiviert werden müssen. Sie macht aber auch das ständig wachsende Sortiment von CDs, DVDs und anderen Medienangeboten dafür verantwortlich, dass diese Kinder einerseits passiver und andererseits zappeliger werden: „Ich sehe immer mehr fehlende Ausdauer und Konzentration, Hyperaktivität und Verhaltensauffälligkeiten. Umso wichtiger ist es, an den elementaren Fähigkeiten zu arbeiten.“

Lied "In Mutters Stübele" anhören

„So sieht die Trompete aus, so funktionieren Streichinstrumente“

An der Musikschule in Winnenden gibt es außerdem ein großes Instrumentalangebot, und so wird bei jedem neuen Thema ein neues Instrument vorgestellt, etwa die Gitarre, die Blockflöte, das Akkordeon oder die Trompete. Die Kinder hören dabei nicht nur entsprechende Musik oder beobachten, wie die Instrumente gespielt werden, sie probieren sie auch selbst aus, erklärt Edith Penz: „Jedes Kind baut irgendwann intuitiv eine Beziehung auf oder findet sein Instrument“.

Sie und Musikschulleiter Mathias Mundl legen außerdem Wert darauf, dass – etwa beim Abschlusskonzert der Früherziehungsgruppen – auch ältere Kinder mitspielen, zum Beispiel die Blockflötengruppe, die Streicher und die Trommler. Bei den jüngeren Kindern hinterlässt dieses gemeinsame „Orchester“erlebnis einen bleibenden Eindruck. Für manche ist es sogar der Auslöser, anschließend selbst ein Instrument zu erlernen.

Lied "Softhu unga astin min" (Island) anhören

Auch den Eltern fällt eine wichtige Aufgabe zu. Es reicht nicht, wenn sie ihre Kinder in der Musikschule abgeben und sie anschließend wieder abholen. Sie schafften am ehesten eine Grundlage für späteren Musikunterricht, wenn sie ihre Kinder durch die zwei Jahre musikalische Früherziehung auch begleiteten, meint Musikschulleiter Mundl: „Im Instrumentalunterricht später ist es wichtig, dass die Eltern darauf achten und Zeit fürs Üben freihalten. Das hilft im Idealfall über die schwierige Teenagerphase.“

 

Liedbeiträge mit freundlicher Genehmigung von Liederprojekt.org, einem Benefizprojekt von Carus-Verlag und SWR2

Dieser Artikel gehört zu Elterninfo 5 Jahre